Blog · Laden & Strom · 06.10.2026
Ist Laden zu Hause immer billiger als am Supercharger?
Fast jeder Vergleich im Netz rechnet mit dem Strompreis eines anderen Menschen. Dein Vertrag, deine Uhrzeit am Supercharger und deine Wallbox kommen darin nicht vor. Hier bekommst du deshalb keine fertige Zahl, sondern einen Rechenweg, in den du deine eigenen Werte einsetzt.
- Mythos Der Supercharger ist immer teurer als die Steckdose zu Hause.
- Fakt Meistens trifft das zu, aber nicht automatisch. Der Supercharger-Preis hängt von Standort und Uhrzeit ab, dein Haustarif von deinem Vertrag. Und zu Hause bezahlst du auch Strom, der nie in der Batterie ankommt.
- Mythos Der Verbrauch im Display ist das, was ich bezahle.
- Fakt Zu Hause zahlst du, was der Zähler misst. Das ist mehr als das, was das Auto als geladen anzeigt.
Die Vergleichsformel
Vergleiche immer gleiche Einheiten: Euro je 100 Kilometer. Kilowattstunden allein sagen wenig, solange nicht klar ist, wo gemessen wurde.
Den Grundpreis deines Stromvertrags lässt du weg, wenn du ihn ohnehin zahlst – er fällt mit und ohne Auto an. Hast du für die Wallbox einen eigenen Zähler und einen eigenen Vertrag, gehört dessen Grundpreis anteilig in Formel A.
Deine drei Zahlen und wo du sie findest
| Zahl | Wo sie steht | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Arbeitspreis zu Hause | Stromvertrag oder letzte Jahresrechnung, in Cent je kWh | Bei einem dynamischen Tarif nimmst du den Monatsdurchschnitt aus der Rechnung, nicht den billigsten Moment. |
| Supercharger-Preis | Tesla-App und Navigation zeigen ihn je Standort vor dem Laden; nach dem Laden steht der Betrag in der Ladehistorie | Er schwankt nach Standort und Uhrzeit. Nimm die Ladungen der letzten Monate, nicht eine einzelne. |
| Verbrauch je 100 km | Zu Hause: Wallbox-Zähler. Unterwegs: abgerechnete kWh in der Ladehistorie | Gleicher Zeitraum, gleiche Jahreszeit: Im Winter liegt der Verbrauch höher. |
Einen Supercharger-Preis drucken wir nicht. Tesla legt ihn je Standort fest, und tesla.com lässt unsere Abrufe nicht zu. Die App zeigt dir den Preis, der für dich gilt, und zwar bevor du einsteckst. Über Preisänderungen, die Medien gemeldet haben, berichten wir in den Nachrichten.
Ladeverluste zu Hause nicht vergessen
Auf dem Weg von der Wallbox in die Zellen geht ein Teil der Energie verloren – im Ladegerät des Autos, in Kabeln, beim Heizen oder Kühlen der Batterie. Wie viel, hängt von Ladeleistung, Temperatur und Fahrzeug ab. Eine feste Prozentzahl nennen wir deshalb nicht. Miss sie lieber selbst:
- Notier den Stand des Wallbox-Zählers, bevor du einsteckst.
- Lies nach dem Laden ab, wie viel Energie das Auto als geladen anzeigt.
- Notier den neuen Zählerstand. Zählerdifferenz geteilt durch die Fahrzeuganzeige ergibt deinen Verlustfaktor.
- Wiederhol das ein paar Mal, auch an einem kalten Tag.
Rechnest du Formel A mit dem Zählerwert, steckt der Verlust schon drin. Nur wer mit dem Verbrauch aus dem Auto-Display rechnet, muss ihn mit dem Verlustfaktor multiplizieren. Am Supercharger ist die Frage einfacher: Du zahlst die Kilowattstunden, die auf deinem Beleg stehen.
Zeit und Komfort einpreisen
Zu Hause lädst du, während das Auto ohnehin steht. Für den Supercharger fährst du hin, wartest und fährst weiter. Ob du diese Zeit in Euro umrechnest, ist deine Entscheidung – wichtig ist nur, dass du sie bewusst triffst. Drei Fragen helfen:
- Liegt der Supercharger auf deinem Weg, etwa am Supermarkt, oder ist es ein Umweg?
- Kannst du die Wartezeit nutzen, oder ist sie verloren?
- Fallen zu Hause Kosten an, die nur wegen des Autos entstehen, etwa ein zweiter Zähler?
Auf der Langstrecke stellt sich die Frage kaum: Dort ist der Supercharger meist die einzige schnelle Option, und zu Hause kann man unterwegs nicht laden.
Wann der Supercharger trotzdem vorn liegen kann
Der Mythos stimmt meistens, aber nicht immer. In diesen Fällen lohnt es sich, die Formel ehrlich durchzurechnen:
- Teurer Haustarif: Wer noch in der Grundversorgung ist oder einen alten Vertrag hat, zahlt zu Hause unter Umständen mehr, als er denkt. Der Arbeitspreis steht auf der Rechnung, nicht in der Erinnerung.
- Laden an der Haushaltssteckdose: Mit wenig Leistung dauert eine Ladung sehr lange, und die Elektronik von Auto und Batterie läuft die ganze Zeit mit. Wie sich das bei dir auswirkt, zeigt nur dein eigener Verlustfaktor.
- Günstige Uhrzeiten unterwegs: Die App zeigt je Standort, ob der Preis zu bestimmten Zeiten niedriger ist. Wer ohnehin abends einkaufen fährt, kann das nutzen.
In allen drei Fällen ist die Lösung meist nicht, den Supercharger zum Alltag zu machen, sondern den Haustarif zu verbessern. Ein Tarifwechsel kostet einmal Zeit und senkt Kosten A dauerhaft.
Mischrechnung für deinen Alltag
Kaum jemand lädt nur an einem Ort. Deshalb zählt am Ende der Durchschnitt:
Durchschnitt je 100 km = Anteil zu Hause × Kosten A + Anteil Supercharger × Kosten B + Anteil sonstiges öffentliches Laden × Kosten C
Die Anteile schätzt du aus deiner Ladehistorie, und zusammen müssen sie 1 ergeben. Ein Beispiel nur für die Anteile, ohne Preise: Lädst du acht von zehn Kilowattstunden zu Hause und zwei am Supercharger, rechnest du 0,8 × A + 0,2 × B. Schon dann zeigt sich: Ein deutlich teurerer Supercharger verändert deinen Schnitt weniger, als viele erwarten, wenn er nur ein Fünftel ausmacht.
Zwei Hebel verschieben das Ergebnis. Erstens dein Haustarif: Das reduzierte Netzentgelt für steuerbare Wallboxen und ein passender Tarif senken Kosten A. Wie das geht, steht in § 14a EnWG und dynamischer Tarif. Zweitens Kosten C: Ob eine Ladekarte das öffentliche Laden außerhalb der Supercharger günstiger macht, prüfst du mit Ladekarten und Ladetarife im Vergleich.
Im ersten Jahr kann noch ein dritter Effekt dazukommen. Laut Tesla gibt es bei einer Bestellung über einen Empfehlungslink derzeit 1.000 kostenlose Supercharging-Kilometer für Model 3 und Model Y. Diese Kilometer setzt du in Formel B mit 0 € an. Tesla-Gutschriften verfallen laut Tesla nach 12 Monate, deshalb gilt dieser Effekt nur für das erste Jahr.
Stand: 01.10.2026 · geprüft am 06.10.2026 · Quelle: Tesla-Empfehlungsseite Deutschland, Archivkopie vom 01.10.2026
Weitere Wege, die laufenden Kosten zu senken, stehen in der Übersicht der Sparwege.